Hallo Leser, da bin ich wieder. Es ist schon fast ein halbes Jahr her, dass ich was gepostet habe! Dabei ist inzwischen genug passiert, das man hätte kommentieren können – die Ereignisse der letzten Zeit erzeugen bei mir ein latentes “Es wird alles immer schlimmer”-Gefühl. AKW explodiert, Bürgerkrieg in Libyen, Griechenland pleite und christlich-fundamentalistischer Terror in Norwegen. Die Bilder aus Somalia kann ich keine dreißig Sekunden anschauen. Außerdem ist Amy Winehouse tot, die Space Shuttles sind Geschichte, und EHEC hat Gurken und Sojasprossen in Verruf gebracht. Völlig zu Unrecht, wie ich finde. Die Reaktionen auf den Großteil dieser Ereignisse in vermeintlich seriösen Medien wie der Tagesschau waren eher abstoßend, aber immerhin haben wir endlich den Atomausstieg.

Aber was erzähle ich eigentlich, ich habe doch das meiste nur so halb mitgekriegt. Und dafür schäme ich mich irgendwie. Der Grund dafür: Überarbeitetsein. Am Ende des Semesters konnte ich verstehen, wie Leute in den Burn-out rutschen. Das Interessanteste an der Sache war, dass sich keiner beschwert hat, auch ich nicht wirklich. Die Atmosphäre war so, dass sich alle kompromisslos in die Arbeit vertieft haben, wie auf der Jagd nach irgendwas. Erkenntnis vielleicht. Ich finde es also nicht grundsätzlich schlecht, wenn man sich von seiner Arbeit bzw. jetzt noch seinem Studium erfüllt sieht, aber gruselig wird es, wenn man keine Zeit mehr hat, mal nachzudenken, was um einen herum eigentlich so passiert.

Manche sagen mir dann, dass Forschung ja auch etwas Wichtiges ist, und dass ich, wenn ich versuche, eine gute Wissenschaftlerin zu werden, meinen Beitrag leiste. Mal abgesehen von einem allgemeinen Unwohlsein das mich dabei überfällt, weil sich das für mich wie die Ablehung weiterer sozialer Verantwortung anfühlt, muss man wohl zumindest die Probleme an den Unis selbst anerkennen. Ich habe nun das Glück, mich für etwas zu interessieren, von dem die Regierung offenbar glaubt, dass es profitabel sein könnte; die allgemeine Tendenz, das dann auch als Maßstab der Sinnhaftigkeit zu betrachten ist allerdings schauerlich. (Erst gestern im Kino, eine Werbung für Ichweißnichtmehrwas, die Leute, die Technologie entwickeln, als die kreativen, hellen Ärmelhochkrempler bezeichnet hat, die unsere Gesellschaft voranbringen. Ätzend.) Ich habe jedenfalls nicht das Gefühl, das Neurowissenschaftler Kraft ihrer Abschlüsse die Fähigkeit besitzen, gesellschaftliche und politische Ereignisse in den richtigen Kontext zu setzen.

So, ihr möget fragen, wo ist der Punkt?

Achja, der Punkt, den hab ich ganz vergessen…

Das hier ist eigentlich nur ein Versprechen an mich selbst, mich nicht nochmal derart lange vom Workaholic-High überwältigen zu lassen und es okay zu finden, keine Zeitung mehr in die Hand zu nehmen, weil das eigene Tun so unabdingbar erscheint. Und ich finde es auch nicht okay, wenn Studiengänge so angelegt sind, dass das unweigerlich passiert.


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Kommentare ( 1 Kommentar )

Willkommen zurück im Leben. ;-) Es schmeichelt mich Geisteswissenschaftler natürlich, dass ich nicht überall als gesellschaftlicher Müll betrachtet werde, der eigentlich abgeschafft gehört.

Jonas K. schrieb dies am 28.07.11 um 20:48.

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