Quellen: Westerwelle http://de.wikipedia.org/wiki/Guido_Westerwelle, Wahlurne http://de.wikipedia.org/wiki/Wahlurne

Oft denke ich darüber nach, was hinter den obskuren Handlungen und Haltungen so mancher Menschen des öffentlichen Lebens steckt. In den Medien wird darüber immer diskutiert, als ob die Äußerungen von gewissen Leuten auf sachlicher Grundlage gemacht würden. Es wird herum gedeutet, es werden Argumente gesammelt und mitunter Überzeugungsarbeit geleistet. Das ist auch ganz natürlich, wenn man sich vor Augen führt, dass das schließlich Menschen mit Verantwortung sind, die darüber entscheiden, wie wir morgen in Berlin, Deutschland, auf der Welt leben. Jeder weiß oder ahnt zumindest, dass besagte Entscheidungen selten so richtig transparent sind.

Auch wenn die offizielle Website des Bundestages stolz verkündet, dass im Parlament insgesamt 119 Berufsstände vertreten sind (Stand: 2005, also leider der vorige Bundestag, aber wir gehen mal davon aus, dass sich an dem Trend nicht viel geändert hat), ist mehr als ein Drittel der Abgeordneten von Hause aus Lehrer oder Jurist, während Ingenieure und Naturwissenschaftler weniger als 5% ausmachen; vom Verhältnis zwischen Menschen, deren Eltern wie sie selbst schon Akademiker waren und Menschen, die vielleicht gar nicht studiert haben oder gar vom Ausländeranteil ganz zu schweigen. Niemand kann denken, dass das auf die erwiesenermaßen hermetisch voneinander abgeriegelten Bildungsschichten keinen Einfluss hätte. Vor allem nicht, wenn Leute wie Guido Westerwelle sich nicht zu schade sind, erratisch und wie am Fließband verbale Schläge ins Gesicht der Benachteiligten dieser Gesellschaft zu produzieren. Genau so wenig ist es mir möglich, in Abkommen wie Dublin II (Asyl kann von Flüchtlingen nur dort beantragt werden, wo sie das erst Mal europäischen Boden betreten) keinen Akt des Fremdenhasses und der fehlgeleiteten Verlustangst zu sehen: Dass Deutschland in Afghanistan vor allem Aufbauarbeit leisten will, glaubt doch keiner, der weiß, wie Flüchtlinge in Griechenland behandelt werden.

Meiner Ansicht nach geht das alles weit über die üblichen Diskussionen über Politiker, die keinen Bezug zum Volk haben, hinaus. Schon länger hört man in der Politik Klagen darüber, dass der Nachwuchs der Parteien sich hauptsächlich aus Opportunisten rekrutiere, deren Blick starr auf ihre Karriere gerichtet ist. Aber auch bei Betrachtung der Reihen der Spitzenpolitiker fragt man sich, wie es mit der “Berufung” eines Menschen steht, der munter vom Familien- ins Arbeitsministerium, vom Inneren zu den Finanzen oder von der Wirtschaft zur Verteidigung wechselt. Während ich als Bürger mir wünschen würde, dass jemand mit Leib und Seele an seinem Ressort hängt und sich mit Herz und Verstand darin auskennt, sieht die Realität so aus, dass man sich innerhalb von zwei Wochen “einarbeiten” kann.

Es ist offensichtlich, dass die Motivation dieser Leute nicht in der Sache liegt. Es geht um Macht, ums Wiedergewähltwerden, um die Karriere, zu der Beraterposten und andere lukrative Nebentätigkeit gehören, um Selbstdarstellung. Natürlich ist mir klar, dass eine Person des öffentlichen Lebens schon einen gewissen Hang zur Selbstdarstellung braucht, sonst kann sie diesen Job gar nicht machen. Ich sehe hierin dennoch ein Kernproblem: Jemand kann nicht glaubwürdig sein, wenn er nicht wirklich hinter seinem Thema steht, man kann nicht mitreißen, wenn man selbst nicht Feuer und Flamme ist, kann niemandem im Land die bestehenden Probleme und Lösungsansätze vermitteln, wenn man sie selbst nicht verinnerlicht hat oder man in Wahrheit an etwas ganz anderes denkt als an das, worüber man gerade augenblinzelnd spricht. Namentlich an die eigene Gefallsucht oder Machtgier oder Selbstherrlichkeit, weil einem zu Hause nicht beigebracht wurde, dass er sein Selbstwertgefühl nicht von der Zustimmung anderer abhängig machen darf.

Kurz gesagt, es ist einfach blauäugig, anzunehmen, dass es mit solchen Leuten an der Spitze “grundlegende Reformen” und “Transparenz in den Entscheidungen” geben könnte. Das ist unmöglich. Und wenn man sich mal anschaut, wie sich die Umfragewerte der FDP innerhalb von 100 Tagen verändert haben, ist auch ganz klar, wer da noch dran Schuld ist: wir, die Wähler. Wie bescheuert muss denn jemand sein, der eine Partei wählt, die er nicht einmal gut genug kennt, um mit solchen Sachen, wie sie zu Beginn der Regierungszeit passiert sind, zu rechnen?


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