Foto: adrian8_8, flickr

Yeah, wir führen die Nationenwertung an! WIR! Also auch ich, und du, und deine und meine Freunde! Yeah! Jetzt haben WIR uns soooo doll angestrengt und ganz hart trainiert – da wundert es nicht, dass WIR auch die Medaillen eingefahren haben. Sogar den “ewigen Medaillenspiegel” führen WIR an! Obwohl, ein bisschen Glück gehört ja auch dazu.

Zum Beispiel das Glück, nicht beim Doping erwischt worden zu sein. Wer immer noch glaubt, dass es bei Leistungssport-Events dieser Größenordnung mit rechten Dingen zugeht, den bitte ich um einen Kommentar mit Erklärung. Es gibt jedenfalls gute Gründe, diesen ganzen Hokuspokus misstrauisch zu beäugen, auch als jemand, der gern Sport macht und dem klar ist, dass die Atmosphäre und das ganze Drumrum durchaus nett und euphorisierend sein können.

Letztens im Radio, als Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy für Deutschland (klar, für wen sonst – für sich selbst etwa??) Bronze im Paar-Eiskunstlauf geholt hatten, kamen die schönen Ideale der olympischen Idee sehr schön zum Vorschein: Enttäuscht waren sie, weil es “nur” Bronze war. Wie war das nochmal mit “Dabei sein ist alles” und so? Ein bisschen Leid können sie einem schon tun, diese Sportler. Von klein auf jeden Tag trainieren, auf Konkurrenzdenken gedrillt werden, sein Selbstwertgefühl über sportliche Leistung definieren, vielleicht niemals den Erfolg erreichen, von dem man immer geträumt hat und dann, ziemlich bald, mit einem überbeanspruchten, noch halbwegs jungen Körper die Karriere beenden. Die zwei oben Genannten jedenfalls werden nicht noch einmal bei Olympia antreten.

Den Sportlern selbst geht es vielleicht zum überwiegenden Teil noch um ihre Leistung. Der Traum, auf dem Podest ganz oben zu stehen und bejubelt zu werden, übt schließlich nicht nur auf sie eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Ansonsten ist Olympia aber vor allem eins: Eine Geldmaschine für viele Beteiligte. Wo das hinführt, konnte man bei den Sommerspielen schon beobachten, als es der chinesischen Zensur ohne Weiteres gelang, den Informationsfluss nach ihrem Gusto zu beeinflussen – was akzeptiert wurde, um Sponsoren nicht abzuschrecken und die daheim gebliebenen Fernsehzuschauer nicht auf die Idee zu bringen, das einzig Richtige zu tun: abzuschalten und sich selbst bei einem Verein anzumelden, wenn sie das Bedürfnis haben, sich mit Sport zu beschäftigen.


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