Heute habe ich in den Nachrichten die Meldung gehört, dass bei einem NATO-Luftangriff wieder dutzende Menschen getötet worden sind. Es wurde betont, dass dabei auch Frauen und Kinder ums Leben gekommen sind. Dazu hätte ich zwei Fragen: Sind tote männliche Zivilisten weniger beklagenswert als weibliche? Ist es wirklich so einfach, als Terrorist/ Widerstandskämpfer/ Feind ausgeschlossen zu werden – indem man eine Frau oder ein Kind ist? Jetzt wird sich wieder kräftig entschuldigt, ohne dass irgend jemand erfahren würde, was wirklich vor sich gegangen ist, wer wen warum angegriffen hat.

Genau diese Gewissheit ist es, die in jeglicher Berichterstattung fehlt, die in keiner Erörterung zu Verlängerung, Abbruch oder Sinn des Afghanistan-Einsatzes eine Rolle zu spielen scheint: Kein Angehöriger der deutschen Zivilbevölkerung weiß doch, worum es bei diesem Krieg wirklich geht. Das hat dieser “bewaffnete Konflikt”, wie man wohl sagen darf, mit allen anderen Kriegen dieser Art der jüngsten Geschichte gemein. Ob es Frau Merkel weiß? Ob es unser unaussprechlicher Chefdiplomat im Auswärtigen Amt weiß? Ob es die Soldaten wissen, darf bezweifelt werden. Wie soll man sinnvoll über etwas diskutieren, geschweige denn überlegte Entscheidungen zu etwas treffen, das man absolut nicht einschätzen kann? Es ist auch gar nicht erwünscht und schlichtweg unmöglich, dass man als Bürger einen solchen Einsatz einschätzen kann. Wie man sich zu so etwas freiwillig melden kann, soll hier nicht erörtert werden, ist mir persönlich aber schleierhaft.

Allein: Schon die Tatsache, dass Informationen, die den Einsatz betreffen, nur widerwillig tröpfeln, sich dabei widersprechen und auch sonst keine einzige Frage beantworten, abgesehen vom Body Count vielleicht, ist verdächtig. Obwohl verdächtig nicht das richtige Wort ist, “erschreckend” oder gar “entsetzlich” träfen es eher. Die politischen Verrenkungen anlässlich der “Kundus-Affäre” haben eins mehr als deutlich gemacht: Der Konflikt in Afghanistan ist für deutsche Politiker lediglich ein Faktor beim Buhlen um die  Gunst der Wählerschaft. Was wollen sie jetzt hören, damit sie uns nett finden? Anstelle von Vernunft und Argumenten und vielleicht sogar der Wahrheit regiert die Angst vor dem Ergebnis der Sonntagsfrage. Da ist man sich auch nicht zu schade, das Soldatenschicksal als Motivationsvorschlag an den Haaren herbei zu ziehen, um über den Umweg des Mitgefühls Unterstützung für Deutschlands Präsenz, die Intransparenz der NATO und die im Dämmerlicht der Macht liegenden Machenschaften von Rüstungskonzernen und Öl-Lobbyisten zu produzieren.

Ohne mich.


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